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Der Schönauer Tag

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Eng verbunden mit der Geschichte des Ortes ist die Burg „Schönstein“, heute eine Ruine am Westhang des Schlossberges, die früher Amts- und Gerichtssitz war, deren Name in dem Ortsteil Schönstein weiterbesteht. Schönstein, bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als Rommershausen, Jeust, Hohenofen und Heidenhäuser in den Kirchenbüchern geschrieben, entlehnte seinen Ortsnamen von dieser Burg, den der letzte Oberbergdirektor von Hagen erwirkte. Am 13. Mai 1843 trennte sich Schönstein als Ortsteil von Schönau.

Chronik von Schönau und der Burg Schönstein
(nach Jahreszahlen)

Zwischen 1000 und 1400 n.Chr. gab es ständig Kriege in Nordhessen. Die Mainzer Kurfürsten und Erzbischöfe beanspruchten in dieser Region viele Gebietsteile, die die Landgrafen von Thüringen und ab 1247 die hessischen Landgrafen für sich beanspruchten.
Befestigte Stützpunkte zu dieser Zeit waren die Felsburg und die Stadt Gudensberg. Beiden landgräflichen Stützpunkten lag die mainzische Stadt Fritzlar gegenüber, die jedoch eine Exklave war, da sie ringsum von hessischem und waldeckischem Gebiet umgeben war. Zur Sicherung des Durchzuges durch fremdes Hoheitsgebiet lässt sich erklären, dass die Mainzer die drei Kellerwaldburgen Schönstein, Densberg und Jesberg bauen ließen, um die uralte Verbindungsstraße Mainz-Frankfurt-Fritzlar zu sichern.
Nach der politischen Lage zwischen Kurmainz und Niederhessen wird angenommen, dass alle drei Burgen im 11. Jahrhundert erbaut wurden.

Felix von Gilsa zu Gilsa (Nachkomme eines der früheren Burgmänner auf dem Schönstein) brachte die Geschichte der Burg gegen Ende des 19. Jahrhunderts erstmals an die Öffentlichkeit. In seinen Vermutungen datierte er die Burg zurück bis zur Zeit der Hohenstaufen. Nicht nachgewiesen ist, dass

1177
Godebracht von Linsingen als Burgmann der Erbauer der Burg für die Grafen von Ziegenhain gewesen ist.

1331-1350
Während dieser Zeit ist von dem Bau der Burg auszugehen. Graf Johann I. von Ziegenhain (1304-1358) bezweckte dadurch die Sperrung und Kontrolle des hier sehr engen Gilsatales.
Das Amt Schönstein war das jüngste unter den Ämtern an der Schwalm. Graf Johann war um die territoriale Vergrößerung der Grafschaft bemüht und galt als Schöpfer einer neuen Amtseinteilung, die sich bis in die Neuzeit gehalten hat. Er baute auch die Burgen Neukirchen, Landsburg und Schwarzenborn. In den Burgschaften siedelte er den niedrigen Adel der Umgebung an und machte diese Burgen und Städte zu Mittelpunkten neuer Ämter. Die Bildung des Amtes war erst nach dem Erwerb der Orte Winterscheid, Lischeid, Gerwigshain (Wüstung) und Moischeid möglich.

1350
wird urkundlich erwähnt, dass der „Wäppner“ Hermann von Löwenstein (genannt von Schweinsberg) durch Graf Gottfried von Ziegenhain mit dem Burgsitz zu „Schonenstein“ und Einkünften aus dem Dorf Schönau belehnt wird.

1368
wird durch Löwenstein die Burg mit allem Zubehör für 900 Schillinge „guter alter Münze“ und 300 „kleinen Goldgulden“ den Rittern Gottfried von Linsingen, Hans von Gilsa zu Gilsa und Helwig von Gilsa zu Roppershausen verpfändet. Den Pfandinhabern war gestattet, davon 400 Gulden an der Burg zu verbauen.
Zum Amt gehören die Orte Schönau, Sachsenhausen, Falkenhain (wüst), Frankenhain, Treisbach (wüst) und (?) Teilen des Gerichts zur Kalten Hainbuche mit Appenhain, Itzenhain und Wittgenhain (wüst).

1371-1373
Während der Zeit der Sternerfehde, in der die Ziegenhainer Grafen führend gegen die hessischen Landgrafen Heinrich den Eisernen und dessen Neffen Hermann den Gelehrten im Feld standen, war die Burg insbesondere den Angriffen der Hessen ausgesetzt. Hier spielte die Gilserberger Wasserscheide (Rhein-Weser) eine strategische Rolle. Die Burg wurde lange belagert, erobert und gründlich zerstört. Dabei dürfte auch der Bergfried schon endgültig zerstört worden sein. Einige Jahre später offenbart Hans von Gilsa den Verlust des Pfandbriefes: „ daz wir den brief virlorn, do die Landgrebe das hus Schonstein gewonnen.“

1380
beurkundet Godebracht von Linsingen:
„Unser lieber gnädiger Junker, Junker Gottfried Graf zu Ziegenhain, unsere Jungfrau, Jungfrau Agnes (von Falkenstein), seine eheliche Hausfrau, der Gott gedenke, und unser gnädiger Herr, Herr Gottfried Graf zu Ziegenhain, und unsere gnädige Frau, Frau Agnes (Prinzessin von Braunschweig), seine eheliche Hausfrau, hatten versetzt den strengen Herren Helwigen und Hansen von Gilsa, Rittern, und Godefriden seligen, mynem Godebrachten brudern, ihr Haus Schönstein mit den Dörfern Schönau, Moischeid, Treisbach, Sachsenhausen, beiden Winterscheid, Gerwigshain und Lichtenscheid.“
Der Graf habe ihn hinsichtlich seines Pfandanteils von 313 Gulden an Hansen von Gilsa verwiesen, heißt es weiter. Letzterer hatte also den linsingenschen Teil an sich gelöst und demselben war das Pfandgeld dereinst zu zahlen.

1385
muss die Burg schon wieder aufgebaut sein, denn Heinrich und Henne von Gilsa zu Roppershausen (Helwigs Söhne) quittieren für sich und ihre Geschwister über 900 Gulden Pfandgeld für Schönstein. Als Urkundensiegler erscheinen Engelbrecht von Bellnhausen und Gunter von Bleichenbach, gräflich ziegenhainischer Erbküchenmeister.

1386
wird die Burg erneut belagert, jedoch ohne Erfolg.

1387
liegt eine erneute Verpfändungsurkunde vor. Der Burgmann von Jesberg, Thylo von Falkenberg und seine Frau Gesa, bekommen die Burg mit Zubehör von Graf Gottfried von Ziegenhain für 1601 Gulden zugewiesen.

1399
wird die Burg urkundlich als ausdrücklich zerstört nachgewiesen. In einer anderen Urkunde ist die Rede von der Hofstedte, „da vorzyden der Bergfried und der Stall darhinder uffe stand“. Die Burg wurde durch Graf Engelbrecht von Ziegenhain „um seiner treuen Dienste willen“ an Heinrich Clauer verpfändet, nebst der Pacht von 4 Hagenhufen zu Schönau.

1400 (Anfang)
Graf Johann von Ziegenhain, der letzte Ziegenhainer verleiht die Burg dem Ritter Heinrich Clauer, der auch im nahen Gemünden Burgmann war

1406
verpfänden die Grafen Gottfried und Johann von Ziegenhain ein Drittel der Burg dem Ritter Eckbrecht von Grifte (1387 Verteidiger der Obernburg zu Gudensberg) und seinem gleichnamigen Sohn.

1420
wird Johann Bechelyng zum Burgmann auf dem Schönstein bestellt. Als Entgelt erhält er Gefälle in Gemünden an der Wohra.
Zur gleichen Zeit erklärt Elisabeth Schenk, Witwe des Eckbrecht von Grifte, mit ihrem Sohn Heinrich, dass die Grafen von Ziegenhain das Drittel der Burg mit 160 Gulden wieder eingelöst hätten.

1426
erklärt Thomas Fredebüll, dass Graf Gottfried IX. von Ziegenhain ein Drittel der Burg Schönstein, welches den Brüdern Dersch zu Viermünden gehörte, ihm übertragen hatte.
Das Amt Schönstein erfährt eine wesentliche Ergänzung durch die Belehnung des Grafen Johann mit den bisherigen mainzischen Orten Sebbeterode und Willingshausen (Gilserberg) durch Erzbischof Conrad von Mainz.

1427
Am 23. Juli fand die Entscheidungsschlacht zwischen dem hessischen und mainzischen Heer auf der Ebene vor Großen- und Kleinenglis statt. Landgraf Ludwig I., der Friedfertige, gab die Parole aus: „Heute Landgraf oder keiner mehr. Wer ein getreuer Hesse sein will, der folge mir.“ Die hessischen Ritter zerstreuten das weit größere feindliche Heer, das in Jesberg Aufnahme fand. Bald darauf fanden Friedensverhandlungen statt, die einen 400-jährigen Kriegszustand beendeten.

1446
belehnt Graf Johann II., der Starke, von Ziegenhain Johann Clauer mit einem Burgsitz zu Schönstein und einem zu Gemünden, „wie seine Eltern selig gehabt“.

1450
begleitet Ritter Johann Clauer den Landesherrn auf seiner letzten Fahrt zur Ruhestätte im Kloster Haina und unter dem Ruf: „Ziegenhain, nimmermehr Ziegenhain!“, zerbricht er das Wappen mit dem Ziegenhainer Stern.
Landgraf Ludwig der Friedfertige von Hessen wurde der Erbe und damit, auf friedvolle Weise, auch der Besitzer des Schönsteins.

1451
am Freitag nach Quasimodogeniti überantwortet Henne Rau die Besitznahme an den Landesherren, durch den Bevollmächtigten des Landgrafen, Rabe von Boineburg-Hohenstein.

1468/69
Nach dem Ableben des Landgrafen verfielen die Brüder Landgraf Ludwig II. von Hessen-Kassel und Landgraf Heinrich III., der Reiche, von Hessen-Marburg in den sog. „Bruderkrieg“. Die böhmischen Söldner des Kasseler Landgrafen drangen in die Burg ein und zerstörten sie neuerlich. Dabei gingen die Dörfer Sebbeterode, Schönau und andere in Flammen auf. Der Hauptkampf dieses Krieges fand bei Borken statt.

1483
Densberg und die Wüstung Rommershausen (heute Schönstein) gehören zum Amt Schönstein. Landgraf Wilhelm I. erwirbt ebenfalls von Heinrich von Urff die Burg Densberg. Später gehören dieses Gebiet und auch der adlige Sitz Bellnhausen (sicher im 16. Jahrhundert) zum Amt.

1489
verpfändet Landgraf Wilhelm II. die wieder wohnbar gemachte Burg Schönstein (und Densberg) seinem Hofmeister Hermann Hüne von Ellershausen amtsweise auf Lebenszeit und wies ihm zugleich 50 Gulden Dienstgeld an.

1496
Das Amt der Burg Schönstein umfasst in diesem Jahr:Treysa mit 271 Frauen, 278 Männern, der Zivil-Jurisdiktion, dem Oberpfarrer und Metropolitan, dem Bürgermeister, Rat und Diakon,Lischeid ein Filial von Sachsenhausen mit 29 Frauen und 30 Männern,Winterscheid ein Filial von Sachsenhausen mit 9 Frauen und 10 Männern,Itzenhausen ein Filial von Sachsenhausen mit 10 Frauen und 10 Männern,.Sachsenhausen mit 30 Frauen und 28 MännernHeimbach seit 1557 beim Amt Schönstein, ein Filial von Sachsenhausen, mit 26 Frauen und 18 Männern,Densberg mit 58 Frauen und 50 Männern,Sebbeterode mit 57 Frauen und 37 Männern,Moischeid ein Filial von Densberg, mit 43 Frauen und 41 Männern,Willingshausen (Gilserberg), ein Filial von Sebbeterode, mit 43 Frauen und 44 Männern,Schönau ein Filial von Sebbeterode, mit 29 Frauen und 28 Männern,Appenhain ein Filial von Sachsenhausen, mit 15 Frauen und 6 Männern,Frankenhain eine französische Kolonie, mit 11 Frauen und 15 Männern,Treisbach mit 1 Frau und 1 MannEisenhütte bey Rommershausen SchmelzhütteSumma: 1 Stadt, 12 Dörfer, 1 Hof: 604 Frauen und 596 Männer

1506
erfolgte die letzte Verpfändung durch Landgraf Wilhelm II. gegen 1000 Gulden an Otto Hund. Dieser muss in besonderer Gunst des Landgrafen gestanden haben, da ihm von der Pfandsumme 600 Gulden in Gnaden erlassen wurden.

1516
beginnen Grenzstreitigkeiten zwischen den Ämtern Ziegenhain und Schönstein, die erneut 1530, 1533 und 1536 erwähnt werden.

(Bis) 1543
bildete die Burg den Sitz mehrere Amtmänner, die das Amt Schönstein mit 14 Orten des Gilserberger Hochlandes verwalteten. Neben Otto Hund waren weitere Amtmänner Hermann von Reckerod, Dietrich Hund und Caspar von Boineburg.
Die Einlösung aus dem Rittergeschlecht Hund erfolgte 1543 durch Landgraf Philipp den Großmütigen von den Brüdern Otto, Bernhard und Georg Hund.

1544
wird Otto Hund letztmals als Amtmann auf dem Schönstein bestätigt. Dieses Jahr ist auch die letzte Bestätigung, dass die Burg Schönstein bewohnt war. Danach wurde das Amt Schönstein von Ziegenhain aus verwaltet.

(Vor) 1552
Das Dorf Heimbach wird vom Amt Schönstein erworben. Für kurze Zeit gehört auch der Hof Brünchenhain zum Amt.

1557
Unter Landgraf Wilhelm IV. kommen weitere hessische Amtleute auf dem Schönstein nicht mehr vor. Die Burg geht ihrem Verfall entgegen.
In diesem Jahr besaß das Amt Schönstein noch die Gerichtsbarkeit. Das Gericht war mit 12 Schöffen besetzt und hatte auch die Zuständigkeit für peinliche Fälle. Bei Nichteinigung war der Rat von Treysa zuständig. Grenzbeschreibungen des Amtes sind nachzulesen im „Erbregister von Treis, Ampt Schönstein sampt Gemünden an der Wahr“:

1576
erfolgen Grenzbeschreibungen im „Erbregister des Ampts Schoinstein“.

1601
Der wegen der Verschleppung der Steine misstrauisch gewordene Landgraf Moritz lässt die Schönauer Einwohner verhören. Der rasche Verfall der Burg wird protokollarisch dadurch erklärt, dass ein Gutteil der Burgsteine zum Festungsausbau in Ziegenhain verwendet wurde. Das Amt Schönstein stellte 45 Wagen zum Transport.
Bis zur Zerstörung der Burg wurden die Gerichtstage auf dem Schönstein abgehalten, später in Willingshausen (Gilserberg), zeitweilig auch in Sebbeterode.

1602
Die vier Grenzdörfer Heimbach, Lischeid, Winterscheid und Moischeid werden vorübergehend an den Landgrafen Ludwig IV. abgetreten.

1603
20 von 200 Fahrdiensten zum Transport der Steine entfielen auf das Amt Schönstein.

1613
gibt es eine weitere Grenzbeschreibung vom „Ambt Schönstein“ und die noch vorhandenen Karten von Wilhelm Dilich zeigen den Grenzverlauf des Amtes.

1806
wurde die Gerichtsbarkeit nach Treysa verlegt.

1964
Ab dieser Zeit werden Erhaltungsarbeiten der Burgruine vorgenommen.

Quellen:Eduard Brauns, Hessischer Gebirgsbote 4/79Salbuch ZiegenhainAugust Straub, Burgen im HessenlandKirchenbücher Sebbeterode, Schönau, GilserbergSchwälmer Jahrbücher 1976 u. 1984Private Unterlagen Manfred Hund